14.09.2009
Tag 0 - Mittwoch, 2 September 2009
Wir fahren um Mitternacht von der Halle der BTF los. Eigentlich eine bescheuerte Zeit, aber da wir um 11.00 Dienstbeginn haben, gemütlich fahren und öfters stehenbleiben wollen, scheint es logisch. Effektiv wegkommen tun wir erst um viertel vor eins. Die Autobahn ist wunderbar leer, ideal um mit dem Tempomat einfach nur Kilometer abzuspulen. Die zweite Sitzreihe ist schon ziemlich schmal, die beiden hinten wissen nicht wirklich wie sitzen, und werden vermutlich nie wieder in einem Landy mitfahren, aber nach einer Stunden schlafen sie trotzdem. Ich bin als einziger noch wach, der Landy schnurrt die Kilometer ab, ich merke dass ich gerne bei Nacht fahre. Es ist einfach eine ideale Zeit zum nachdenken. Mir gehen einige Dinge durch den Kopf – was und wohl erwartet, wie es wohl sein wird, was wir tun werden... die Zeit vergeht, irgendwann wird es hell und nach dem dritten Zwischenstopp sind es nur noch 70 km nach San Elia. Den letzten Teil fahren wir teilweise ueber eine Landstrasse, weil ich die Ausfahrt verpasst habe. Ich halte Ausschau nach Anzeichen vom Erdbeben, aber irgendwie sehe ich keine.
Dann sind wir da – die Auffahrt zum Camp fuehrt an einer Baustelle vorbei. Besser ist es wohl zu sagen, das Camp liegt in einer Baustelle. Es ist umwerfend. Überall wir gebaut, die ganze Gegend scheint eine einzige gigantische Baustelle zu sein. Und dem ist auch so. Hartman, der schon vor ein paar Monaten hier war, ist erstaunt wie schnell gebaut wird. Teilweise waren noch grüne Wiesen, als er vor 5 Monaten hier war, jetzt stehen dort Rohbauten der erdbebensicheren Wohnkomplexe. Unseres Ankunft am Camp ist entspannt, wir werden begruest, Handshakeing, gemütliches Frühstück mit den Köchen und dem Feuerwehrtrupp den wir ablösen.
Bald darauf dann die Übergabe – den Werkstattcontainer, den Feuerwehrcontainer, den Materialcontainder, unser Zelt, unsere Aufgaben. Um 14:00 tritt der andere Trupp seine Heimreise an, wir sind die Feuerwehr im Lager. Einer der Zeltstadtbewohner der in der Rezeption hilft, und so eine Art "Jack of all Trade" zu sein scheint, bittet uns einer älteren Dame kurz mit der Klimaanlage zu helfen. Klimaanlage? Ich bin kurz etwas perplex, aber es macht Sinn die Zelte zu kühlen, schließlich ist es hier wirklich verdammt heiss... Gleich am ersten Nachmittag gibt es genug Dinge zu erledigen – hier einen Schlauchreparieren, dort einen Pflock einschlagen, da ein Zelt neu abspannen – Kleinkram. Aber Kleinkram der Zeit kostet, die Zeit zum Abendessen vergeht wie im Flug, auch weil die Stimmung unter den Helfern gut ist – man kennt sich nicht, aber lacht zusamen, witzelt zusammen, hat eine eigentlich gute Zeit.
Ich weiss nicht ob diese ziemlich gute Stimmung, die Abends in eine sehr gemütliche und heitere Runde mündet, im krassen Gegensatz zu der Stimmung der Lagerbewohner steht. Ich habe kaum welche zu Gesicht bekommen. Am Esstisch erfahren wir, dass von Anfangs ca 500 Mahlzeiten mittlerweile nur noch ca 120 pro Tag gekocht werden. Das Lager ist schon ausgedünnt. Bei genauem hinsehen erkenne ich auch das eine oder andere Zelt, welches unbewohnt wirkt. Wie ich am nächsten Tag erfahre, sind diese bereits versiegelt und bereit für den Abbau. Während wir uns bei einem Bier unterhalten, kommen teilweise schöne und weniger schöne Kleinigkeiten zu Tage, welche die unterschiedlichen Campbewohner irgendwie charakterisieren. Es gib, oder gab, jene die sich umtun, anpacken, mitarbeiten und jene die sich schlau machen, dehnen es hier gut geht, und es sich auch gut gehen lassen. Wegen jeder Kleinigkeit wird der Zivilschutz gerufen – teilweise auch um weggeworfenen Müll aufzuheben. Ich will kein Urteil fällen – aber bei manchen hatte ich den Eindruck, wenn es nach ihnen ginge sollte es einfach so bleiben – gratis essen, gratis leben, und wenn was fehlt muss man nur meckern.
Andererseits sind auch noch Menschen hier, wie das junge Pärchen, dem wir die Klimaanlage repariert haben. Fragen freundlich ob und wann wir Zeit hätten uns um eine Kleinigkeit zu kümmern, als wir kommen putzen sie gerade ihr Zelt, sind wirklich dankbar dass wir uns sofort darum kümmern. Es sind solche kleinen Aktionen die man mit Freude macht, weil man merkt – diese beiden werden zu jenen gehören, die Aquila wieder aufbauen, sobald sie können.
Wie bereits angesprochen Endet der Tag in einer sehr gemütlichen Runde, die bis spät in der Nacht andauert. Ab Mitternacht ist Nachtruhe, aber die Trupps vor uns haben kurzerhand einen klimatisierten Magazincontainer umfunktioniert, zwei Tische und ein paar Bänke hineingequetscht, und man kann den Abend Nacht werden lassen, ohne die anderen zu stören. Wir ziehen um ins "Magazzino 4". So kommt es auch, dass ich erst nach zwei Uhr ins Bett falle.
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