16.09.2009

Tag 4 – Sonntag, 6 September 2009

Der erste Tag an dem wir vom Wecker geweckt werden – obwohl es mehr zur Sicherheit war als notwendig – die Baustelle hat uns wach bekommen, der Wecker aus den Pritschen. Ohne viel Morgentoilette schlurfe ich zum Kaffee, dann machen wir die Müllrunde, in keiner halben Stunde ist alles erledigt. Gemütlich gehts zum Zähneputzen, duschen, aufwachen. Gemütlich erledigen wir noch ein paar Kleinigkeiten, räumen das Zelt auf und bevor wir auf sie warten kommen auch schon die vier Brixner Feuerwehrleute die uns ablösen. Wir wickeln die Übergabe ab, geben ein paar Tipps, lachen über unseren Stachelschweinschlauch – der, O Wunder, noch immer hällt – und gehen zum Mittag. Langsam kommt Hektik auf, zwei VIPs lassen sich im Camp zum Essen sehen. Bruno Vespa und Riccardo Mutti speisen mit den Campbewohnern. Wir ignorieren den ganzen extra Aufwand der für die Gäste betrieben wird, Tischdecken, Stoffservietten... was daran so toll sein soll, wenn zwei Typen ein bisschen PR haben wollen, und im Camp essen will ich gar nicht wissen. Unsere Ablöse darf sich in die Einsatzuniform werfen, wenigstens ist es bewölkt und so schwitzen sie nicht wie blöd. Wir sehen zu sobald wie möglich die Kurve zu kratzen, beladen den Landy und starten nach Hause. Wenn alles gut geht, sind wir um 20.00 Uhr wieder in Neumarkt. Wenn alles gut geht. In Rimmini erwischen wir den Rientro, gleichzeitig ist auch das MotoGP Rennen zu Enden, alles steht. Wir kommen um 02.00 Uhr früh in Neumarkt an, die beiden auf den hinteren Plätzen hassen die Rückbank, alle sind von der langen Fahrt genervt. Aber wir sind wieder heil angekommen, verabschieden uns noch, endlich zu Hause.

Tag 3 – Samstag, 5 September 2009

Der Morgen beginnt wie gehabt – Baustellenlärmwecker, Frühstück, Müllrunde. Zu zweit starten wir die Feuerlöscher zu prüfen. In der Hand eine fortlaufenden Liste, in der anderen den Kugelschreiber. Nach den ersten wird klar – so wird das nichts. Die Ständer fuer die Löscher sind ausgeschildert und nummeriert, aber die Nummern sind mit der Zeit abgewaschen, die meisten nicht wirklich identifizierbar. Nach einer kurzen Beratung beschließen wir, die Runde zu machen, zuzuordnen was geht und von allen Löschern die Seriennummer abzuschreiben – wenigstens ist dann klar welcher zu prüfen wäre. Alle von den Reatelen sind seid einem Jahr nicht geprüft worden, die anderen scheinen zu passen. Aber irgendwie stimmt das ganze noch nicht.

Während die zwei anderen die Runde wiederhohlen starten wir zwei zu einer Imbissbude, die uns wärmstens empfohlen wurde – das Spanferkel im Brot welches dort verkauft wird, darf man nicht versäumen. Also lassen wir es uns auch nicht entgehen, und ich muss sagen, es ist so gut wie sein Ruf. Am Stand treffen wir auch drei aus dem Camp, ein Glässchen Wein muss sein sagen sie ... auf einem Bein kann man nicht stehen, sagt der nächste – wir greifen uns noch vier Porchettabrote, zwei fuer die anderen beiden, eins fuer den Koch und eins fuer den technischen Leiter und ergreifen quasi die Flucht – es ist gerade mal 11 Uhr, bisschen früh zum saufen.

Wie wir im Camp ankommen brennt die Sonne wieder als ob sie das Land rösten wollte. Der technische Leiter gibt uns den Auftrag den Zufahrtweg des Camps mit Wasser zu besprühen, damit es weniger staubt. Ich hocke im Pickup, Autoradio läuft, Klima an und tuckere den Weg hoch und runter, während auf der Pritsche der Kollege hockt und mit der Waldbrand Löscheinheit den Weg bewässert. Nach 300Litern Wasser staubt es weniger, aber wie lange? Die Wetten gehen von 10 Minuten bis viertel Stunde, aber die Zeit ist uns rumgegangen. Eigentlich bin ich wirklich froh dass die Aktion nötig war – der Boden ist eine komische Mischung aus Staub und Lehm. Ich will gar nicht wissen was im Camp los ist, wenn es richtig regnet – wie es dem Turnus vor uns passiert ist.

Der andere Trupp hat inzwischen die Feuerlöscherunde nochmal gemacht, und es sollte passen. Aber die Beschriftungen werden wieder nicht halten. Wir beschließen das ganze zu wiederhohlen, dabei aber sowohl auf die Schilder als auch auf's Holz der Ständer die Nummern zu schreiben. Aber erst nach dem Mittagessen – soviel Zeit muss sein. Auf Anforderung des Neuen Koordinators der Reatelen sollen wir auch im Zelt essen, und nicht mit den Wkler hinter der Küche. Dadurch soll das Vertrauen den Camp Bewohner in die Helfer aufgebaut und gestärkt werden. Wir wollen keine Diskussionen und tun es einfach – auch wenn wir nicht glauben dass in den 5 Tagen die ein Turnus hier ist sich Vertrauen bildet. Nach dem Essen beginnen zwei die nächste Feuerlöscherrunde, zwei anderen beginnen damit, die Biertischgarnituren die rumstehen zu sortieren und aufzustocken, bis ... ja bis unser Lieblings Schlauch sich wieder verabschiedet.

Duc-Tape hat gehalten, aber der Schlauch hat sich davon gemacht. Wir beschließen es diesmal anders zu versuchen – Kupferrohr drinnen, Schlauchschellen rundum, Draht um die Schlauchschellen. Zusammenhalten sollte es das ganze, aber undicht ist die Stelle noch immer. Aber wir haben noch eine Geheimwaffe in der Hinterhand. Ich weiss zwar nicht wieso, aber im Container gibt es 4 Kartons der Drahtstücke zum abbinden von Sandsäcken, und die Sandsackabbinddrahtdreher. (Und nein, ich weiß nicht wie die Dinger richtig heißen, ich nenne sie "pfrt"). 8 Stück später schaut der Schlauch aus wie ein Stachelschwein, aber er ist dicht.

Während wir noch ein paar Bänke wegstocken beginnt es zu regnen – nur leicht, aber auf der anderen Talseite schaut dunkel aus ...sehr dunkel. Wir sehen einzelne Blitze, hören leise den Donner grollen – kommt am letzten Abend noch richtig Arbeit auf uns zu? Sicherheitshalber ziehen wir uns die Stiefel an, es kühlt merklich ab. Nach einer Weile beruhigt sich alles, der Himmel klart auf – nochmal Glück gehabt.

Wir gehen zu Abendessen, hocken noch ein Weilchen rum, aber spät lassen wir es nicht werden. Der Koordinator der Roten hat uns mittgelteilt, dass wir Sonntag die Müllrunde schon um 08:00 Uhr machen sollen, denn danach spülen sie die Duschen mit dem Hochdruckeiniger, und benötigend dazu das Fahrzeug mit dem sie sonst den Müll zur Sammelstelle fahren. Duschen putzen am Sonntag? Wir denken uns unseren Teil – die halbe Stunde früher aufstehen tut uns auch nicht weh.

Tag 2 – Freitag, 4 September 2009

 

Der Tag beginnt wie gehabt, der Baustellenlärm weckt uns. Es ist wirklich erstaunlich, wie lange rundherum gebaut wird – teilweise bis spät in die Nacht. Wir frühstücken, machen die Müllrunde, die unsere einzige tägliche Aufgabe ist, und hocken uns nochmal zu einem Kaffee zusammen. Es trudeln keine neuen Aufträge ein, eigentlich sollten wir Inventar der drei Container machen, für die wir zuständig sind. Unser Gruppenführer hat jedoch den Technischen Leiter des Camps davon überzeugt, dass es keinen Sinn macht, wenn nach uns noch ein paar Turnuse sind, die auch wieder Material und Werkzeug brauchen, umstocken, anders ablegen, zusammensuchen, verbrauchen ... am Sinnvollsten wäre das Inventar am Ende, wenn man alles was auf der Liste abgehackt wird, einsortiert und wegsperrt.

Langsam wird es heiss, die Sonne brennt ziemlich gnadenlos für September. Schon am Mittwoch und Donnerstag war ich froh, dass ich die Naglenflasche und das Mini Rollypolly mitgenommen habe – so trage ich immer Wasser "am Mann". Die anderen veräppeln mich schon, dass ich meine eigene Lullaflasche hab – aber sie tragen auch fast alle eine Halbliterflasche mit sich rum. Uns wird es zu heiss, und wir hocken uns ins klimatisierte Magazzino 4, spielen Karten. Eine von den Wklern, hockt sich dazu und spielt statt mir weiter, ich bin noch nicht fit genug zu denken. Der Turnusleiter der Weissen fängt mich ab, ich soll mit Kaffee trinken.

Die Bar ist eigentlich nicht wirklich eine Bar. Zwei Gazebos, ein paar Plastikstühle, ein zusammengewürfeltes Inventar aus vermutlich allem, was noch ganz und bei der Hand war. Aber die Leute sind freundlich, man lacht, quatscht. Wir werden auf ein Glas Wein eingeladen, ablehnen wäre unhöflich. Die zweite Runde gibs in Biergläsern, die Weingläser sind aus – es gibt nur 5 oder 6. Die Stimmung in dieser improvisierten Bar ist eigen – ein bisschen betrübt, ein bisschen geschockt, viel "voglia di andare avanti". Zum Mittagessen sind wie wieder zurück. Nach dem Essen verpenne ich's im Schatten, aber verpasse nichts – auch die anderen machen Mittagsschläfchen. Gegen 16.00 Uhr wird es angenehmer, zwei von uns sind ins Dorf, einen Kaffee trinken, ein paar Bilder knipsen.

Ich habe das Funkgerät, bin quasi Gruppenführer – und prompt gibt es was zu tun. Ein Wohnwagen wird angeliefert für eine schwangere Campbewohnerin, die diese Tage ihr Kind bekommen wird. Ein richtig schöner nagelneuer Wohnanhänger mit allem Luxus. Vier Mann der Croce Rossa Italiana liefern ihn, fragen ob ich ein paar Unterlegbretter für die Stützen habe. Sie werfen die Bretter drunter, drehen die Stützen bissen tiefer und stehen 10Minuten daneben. Während sie wieder verschwinden lassen sie mich noch wissen dass er nicht ganz gerade steht. Nicht ganz gerade ist ein Witz. Ein kurzsichtiger Betrunkener sieht aus 20 Metern dass das Teil dermaßen schief steht, dass das Neugeborene quer durch den Haenger rollen könnte. Aber was soll man machen – unsere Erfahrungen bis dato mit den Rotkreuzern (oder auch "Reatelen" ) waren nicht sonderlich begeisternd. Sie schotten sich ab, reden mit keinem, grüßen noch nicht mal. Und das mit dem Caravan ... man kennt sie ja, dir CRI. Auf jeden Fall stört uns die Sache und so beginnt eine längere Aufricht Phase. Am Ende bocken wir den Anhänger an der Achse mit einem Wagenheber auf, bauen unter den Stützen unter, sichern das Rad und das Teil steht Wasserwagen Waagerecht – in allen beiden Achsen. Deutsche Wertarbeit, würde man sagen. Wir hoffen dass die Gruppe die ihn wieder abbaut auch auf die Idee mit dem Wagenheber kommt, sonst wird's anstrengend.

Abends grillen ein paar der Campbewohner für die Helfer ihre berühmten "arrosticini", Lammspiesschen vom Grill. Der Abend ist super, gute Stimmung, mittlerweile zwei Watterrunden, BTF und WK, Bier, Rotwein... trotzdem gehen bald alle ins Bett. Die letzten Nächte haben ihre Spuren hinterlassen.

 

15.09.2009

Tag 1 – Donnerstag, 3 September 2009

So gegen acht werden wir vom nahen Baustellenlärm geweckt, nach einer sehr erholsamen Dusche – mit verdammt heißen Wasser, wir wurden davor sogar gewarnt, da sich schon der eine oder andere daran verbrüht hat – und einem gemütlichen Frühstück geht es wieder los. Hier was reparieren, da was flicken, dort was hinbiegen. Nicht anstrengend, aber aufwendig. Die Stimmung ist noch immer locker, gut, entspannt. Man erledigt was zu tun ist, trifft sich und lacht, witzelt rum und macht weiter.

Beim Mittagessen fragt einer der Wkler ob zwei von uns mit wollen. Er zeigt jenen aus ihrer Gruppe die noch nie hier waren, ein paar der Stellen wo man etwas vom Erdbeben sieht. In die wirklich schwer betroffenen Zonen ist es mittlerweile fast unmöglich reinzukommen, außer als Feuerwehrman in Uniform. Wir werden es vielleicht versuchen, mal schauen. Im Laufe der Tour habe ich ein ziemlich heftiges Erleniss. Wie ich vom Straßenrand aus eines der schwer beschädigten Häuser fotografiere, hällt ein Auto an, eine ältere Dame fragt mich, warum ich hier Bilder mache, ob ich das darf, ob ich gefragt habe. Es fehlt nicht viel dass sie mich beschimpft. Dann geht einer der Wkler dazwischen. Er ist auch Italiener, fällt ihr ins Wort, dass wir vom Zivilschutz sind, sehen wollten, was uns die Camp Bewohner erzählt hatten, um besser zu verstehen. Sie beruhigt sich schnell, entschuldigt sich – aber es seien so viele die fotografieren, die aus reiner Neugierde kommen und ihre Nasen überrall reinstecken, die teilweisen von weit her fahren zum "Erdbeben zu schauen". Verständlich dass sie so reagiert – und ich werde mir gut überlegen, ob ich auch noch Fotos veröffentliche. Einerseits auch weil ich nicht viele gemacht habe – wir haben den ganzen Tag zu tun - aber besonders auf Grund dieses Erlebnisses. Ich habe keine "offiziellen Auftrag" als Journalist oder Reporter oder so, ich mache nur Fotos weil es mir gefällt, weil ich Spass daran habe. Vorher habe ich nicht wirklich darüber nachgedacht, war fest entschlossen Bilder zu schiessen was die Canon her gibt – aber nach diesem Zwischenfall hat mich dann doch ein ungutes Gefühl ergriffen... ergötze ich mich am Leid der anderen, wenn ich fotografiere? Der Tag wird ab da recht komisch, irgendwie ist der Spass am ganzen etwas getrübt. Auch bei den anderen bemerke ich dass die "Rundfahrt" etwas berührt hat, die Situation der Campbewohner in ein anderes Licht rückt.

Wieder im Camp warten schon wieder ein paar Kleinigkeiten – ein Bekannter vom Mittwoch. Die Wasserversorgung für ein Zelt (Tenda X) besteht aus einem Gartenschlauch der quer durch das halbe Camp geht. Dummerweise wurde der vermutlich billigste Maurerschlauch gekauft, der zu finden war. Auch die Anschlussstücke, welche die beiden Schlauteile verbinden, gehören zur billigen Sorte. Zwar haben wir den Schlauch schon am Mittwoch geflickt, es hat aber nicht gehalten. Ich zücke die Universalwaffe Duc-Tape, nachdem klar ist dass es eine längere und aufwendigere Prozedur ist, etwas zu kaufen. Der Schlauch ist wieder dicht, mal sehen wie lange er hällt. Um zwei passende Anschlussstücke zu kaufen, müsste ein längere Papierkrieg geführt werden, bis irgendwann vielleicht eine Genehmigung kommt. Das Camp wird Ende September geschlossen – das Duc-Tape wird schon halten. Im Laufe des Tages kommt ein Kleinbus der Berufsfeuerwehr mit dem Wechsel fuer's Rote Kreuz und dem Technischen Leiter an, auch die Krankeschwester verlässt uns und ihr Wechsel kommt. Gefahren werden sie von einem der Berufsfeuerwehr Bozen, der Morgen wieder hochfährt. Abends hocken wieder die Weissen und die Feuerwehr zusammen, die Stimmung ist super, es wird wieder spät. Um Mitternacht ist Nachtruhe im Camp, natürlich auch für die Helfer. Auch mit dem Berufsfeuerwehrmann haben wir riessen Spass, Einsatzgeschichten, Meinung, Anekdoten... um 2 Uhr Früh verlassen wir den Magazzino 4, kommen bis zu den Toiletten, rauchen noch eine Zigarette bevor wir ins Zelt gehen – und gehen doch wieder zurück ins Magazin 4, trinken noch die letzten heimischen Biere. Irgendwann zieht es uns dann doch ins Bett, wir müssen morgen wieder raus.

Die Betten sind ziemlich angenehm, Klappgesteller mit Matratze, Kopfkissen aus Schaumstoff, für jeden gibt es Bettwäsche. Die Matratzen sind ein bisschen weich, aber nicht weiter schlimm – wenn ich länger darin schlafen müsste, würde ich wahrscheinlich etwas unterlegen, damit sie nicht durchhängt, aber für die 4 Nächte passt es. Untertags ist unser Zelt soweit möglich verschlossen und die Klima läuft auf Hochtouren, so können wir sie Abends ausschalten und haben ein angenehmes Zeltklima für die Nacht. Man merkt dass wir die Betriebsfeuerwehr Würth sind – von vier sind drei Schlafsäcke von einer Gadgetaktion der Firma. Nicht nur ich mag den Kunstfasersack, er ist warm, innen fein gefüttert, pflegeleicht, die Form passt ... einzig der Reißverschluss könnte besser sein. Und so langsam kommt er in die Jahre, aber einen Nachfolger zu finden wird schwer.

14.09.2009

Tag 0 - Mittwoch, 2 September 2009

Wir fahren um Mitternacht von der Halle der BTF los. Eigentlich eine bescheuerte Zeit, aber da wir um 11.00 Dienstbeginn haben, gemütlich fahren und öfters stehenbleiben wollen, scheint es logisch. Effektiv wegkommen tun wir erst um viertel vor eins. Die Autobahn ist wunderbar leer, ideal um mit dem Tempomat einfach nur Kilometer abzuspulen. Die zweite Sitzreihe ist schon ziemlich schmal, die beiden hinten wissen nicht wirklich wie sitzen, und werden vermutlich nie wieder in einem Landy mitfahren, aber nach einer Stunden schlafen sie trotzdem. Ich bin als einziger noch wach, der Landy schnurrt die Kilometer ab, ich merke dass ich gerne bei Nacht fahre. Es ist einfach eine ideale Zeit zum nachdenken. Mir gehen einige Dinge durch den Kopf – was und wohl erwartet, wie es wohl sein wird, was wir tun werden... die Zeit vergeht, irgendwann wird es hell und nach dem dritten Zwischenstopp sind es nur noch 70 km nach San Elia. Den letzten Teil fahren wir teilweise ueber eine Landstrasse, weil ich die Ausfahrt verpasst habe. Ich halte Ausschau nach Anzeichen vom Erdbeben, aber irgendwie sehe ich keine.

Dann sind wir da – die Auffahrt zum Camp fuehrt an einer Baustelle vorbei. Besser ist es wohl zu sagen, das Camp liegt in einer Baustelle. Es ist umwerfend. Überall wir gebaut, die ganze Gegend scheint eine einzige gigantische Baustelle zu sein. Und dem ist auch so. Hartman, der schon vor ein paar Monaten hier war, ist erstaunt wie schnell gebaut wird. Teilweise waren noch grüne Wiesen, als er vor 5 Monaten hier war, jetzt stehen dort Rohbauten der erdbebensicheren Wohnkomplexe. Unseres Ankunft am Camp ist entspannt, wir werden begruest, Handshakeing, gemütliches Frühstück mit den Köchen und dem Feuerwehrtrupp den wir ablösen.

Bald darauf dann die Übergabe – den Werkstattcontainer, den Feuerwehrcontainer, den Materialcontainder, unser Zelt, unsere Aufgaben. Um 14:00 tritt der andere Trupp seine Heimreise an, wir sind die Feuerwehr im Lager. Einer der Zeltstadtbewohner der in der Rezeption hilft, und so eine Art "Jack of all Trade" zu sein scheint, bittet uns einer älteren Dame kurz mit der Klimaanlage zu helfen. Klimaanlage? Ich bin kurz etwas perplex, aber es macht Sinn die Zelte zu kühlen, schließlich ist es hier wirklich verdammt heiss... Gleich am ersten Nachmittag gibt es genug Dinge zu erledigen – hier einen Schlauchreparieren, dort einen Pflock einschlagen, da ein Zelt neu abspannen – Kleinkram. Aber Kleinkram der Zeit kostet, die Zeit zum Abendessen vergeht wie im Flug, auch weil die Stimmung unter den Helfern gut ist – man kennt sich nicht, aber lacht zusamen, witzelt zusammen, hat eine eigentlich gute Zeit.

Ich weiss nicht ob diese ziemlich gute Stimmung, die Abends in eine sehr gemütliche und heitere Runde mündet, im krassen Gegensatz zu der Stimmung der Lagerbewohner steht. Ich habe kaum welche zu Gesicht bekommen. Am Esstisch erfahren wir, dass von Anfangs ca 500 Mahlzeiten mittlerweile nur noch ca 120 pro Tag gekocht werden. Das Lager ist schon ausgedünnt. Bei genauem hinsehen erkenne ich auch das eine oder andere Zelt, welches unbewohnt wirkt. Wie ich am nächsten Tag erfahre, sind diese bereits versiegelt und bereit für den Abbau. Während wir uns bei einem Bier unterhalten, kommen teilweise schöne und weniger schöne Kleinigkeiten zu Tage, welche die unterschiedlichen Campbewohner irgendwie charakterisieren. Es gib, oder gab, jene die sich umtun, anpacken, mitarbeiten und jene die sich schlau machen, dehnen es hier gut geht, und es sich auch gut gehen lassen. Wegen jeder Kleinigkeit wird der Zivilschutz gerufen – teilweise auch um weggeworfenen Müll aufzuheben. Ich will kein Urteil fällen – aber bei manchen hatte ich den Eindruck, wenn es nach ihnen ginge sollte es einfach so bleiben – gratis essen, gratis leben, und wenn was fehlt muss man nur meckern.

Andererseits sind auch noch Menschen hier, wie das junge Pärchen, dem wir die Klimaanlage repariert haben. Fragen freundlich ob und wann wir Zeit hätten uns um eine Kleinigkeit zu kümmern, als wir kommen putzen sie gerade ihr Zelt, sind wirklich dankbar dass wir uns sofort darum kümmern. Es sind solche kleinen Aktionen die man mit Freude macht, weil man merkt – diese beiden werden zu jenen gehören, die Aquila wieder aufbauen, sobald sie können.

Wie bereits angesprochen Endet der Tag in einer sehr gemütlichen Runde, die bis spät in der Nacht andauert. Ab Mitternacht ist Nachtruhe, aber die Trupps vor uns haben kurzerhand einen klimatisierten Magazincontainer umfunktioniert, zwei Tische und ein paar Bänke hineingequetscht, und man kann den Abend Nacht werden lassen, ohne die anderen zu stören. Wir ziehen um ins "Magazzino 4". So kommt es auch, dass ich erst nach zwei Uhr ins Bett falle.

08.09.2009

San Elia

So, ich bin wieder zurueck aus San Elia, dem kleinen Dorf neben Aquila, wo ich mit der Betriebsfeuerwehr im Erdbebencamp welches von der Provinz Bozen betreut bin Dienst  geschoben habe. Ich ueberarbeite gerade noch mein "Tagebuch", und werde es dann so nach und nach veroeffentlichen. Also bis dann!

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